Am malerischen Marktplatz von Gau-Algesheim gelangt man über eine kleine Treppe ins »Elder«. Große Fensterfronten eröffnen von drinnen den Blick auf das Leben im Ortskern. Das Ambiente ist modern und klar, etwas kühl, aber nicht ungemütlich. Unser Besuch beginnt mit einer netten Überraschung: zum Amuse gueule bekommt jeder Gast eine Geflügelleberpraline gereicht, die aufgrund ihrer geschmacklichen Feinheit bezüglich der weiteren Speisen einiges erhoffen lässt.

Zur ersten Vorspeise probieren wir das Roastbeef, das mit Meerrettich-Mousse und einem kleinen Salatbouquet garniert ist (9,40 €). Lob verdient der schön frische Salat, die Mousse schmeckt sehr fein, und das Fleisch ist wie gemalt. Die Zitronengras-Chilisuppe mit ge­bratener Kokosgarnele kostet 5,90 Euro. Das Fleisch des Meerestiers ist dabei wunderbar saftig, die Panade darum allerdings leider ziemlich matschig. Die freundliche, unaufdringliche, sowie auskunftsfreudige, sachkundige männ­liche Servicekraft bringt die bestellte Kartoffelsuppe mit Zwetschgenklößchen (5,30 €). Erfreulich ist der absolut authentische Erdapfel-Geschmack, der Kloß präsentiert sich aber extrem fest und ist mit der Löffelkante schwer zu durchdringen, die Pflaume hält sich geschmacklich zurück. Gleichwohl ist das Ensemble recht ansprechend.

Gebratene Entenbrust mit Trauben-Birnen-Chutney, Spinat und Gremoulata-Risotto heißt die erfreuliche Hauptspeise, die 17,90 Euro kostet. Das Fleisch ist perfekt gebraten, die Konsistenz des Risottos einwandfrei. Der Spinat passt ausgezeichnet zur Gesamtkreation, und das Chutney präsentiert sich angenehm fruchtig. Nicht ganz so euphorisch reagieren wir auf die Panade des Wiener Schnitzels, das in Form zweier großer, qualitativ guter Kalbfleischstücke auftritt, sie ist offensichtlich zu dunkel geraten. Die bei­liegenden Bratkartoffeln sind wenig knackig. Insgesamt ist bei diesem Gericht auch leider zu viel Salz im Spiel. Positiv bewerten wir die originale Wiener-SchnitzeI-Garnitur mit Zitronenscheibe und Kaper in der gerollten Sardelle. Darüber hinaus gefällt der liebevoll zusammengestellte Salat mit (unter anderem) Chicorée, Eichblatt, Radieschen, Gurke und Frühlingszwiebeln. Berechnet werden für dieses Schnitzelgericht 18,20 Euro. An der Roten Meerbarbe zu 14,60 Euro gibt es nichts auszusetzen. Der Fischgeschmack ist zufriedenstellend fein, die helle Sauce, die perfekt mit den Linguini harmoniert, dezent würzig.

Mokkaparfait (mit Mandarinenschaum und Grand-Marnier-Praline, 6,60 €), Nougat-Crème-Brûlée (mit Rotweinkirschen, 6,20 €) und das Schokoladenküchlein (mit Vanillesauce und Gewürz­orangen, 6,50 €) versüßen im wahren Wortsinn den Abschied. Das»Elder« ist ein Ort mutiger, kreativer Küche, die mit Überlegung geleitet wird. Die bisweilen fehlende letzte Brillanz der Speisen lässt sich mit ziemlicher Sicherheit korrigieren.

Die Weinkarte ist mit Bedacht zusammengestellt und bezieht bewusst Weingüter aus der näheren Umgebung mit ein. Sehr gut gefielen uns zwei Weine vom Weingut Fleischmann, das fast in Sichtweite vom »Elder« liegt: der 2016er Chardonnay S trocken (0,2 l/4,80 €) und der 2015er halbtrockene Dornfelder aus der Gau-Algesheimer Abtei (4,30 €). Erstaunlich zeigte sich zudem der 2017er Sauvignon blanc trocken vom Gau-Algesheimer Johannisberg aus dem Weingut St. Quirinus-Hof (4,90 €).

ESSEN8,0
TRINKEN7,5
SERVICE8,0
AMBIENTE7,5
PREIS/LEISTUNG8,5
ERGEBNIS7,9

Restaurant Elder
Marktplatz 2 | 55435 Gau-Algesheim
Tel. 06725 307 7227
www.restaurant-elder.de
geöffnet: Mo und Mi-Sa 16.30-23 Uhr,
So 11-14.30 und 16.30-22 Uhr, Di Ruhetag

Vorspeisen: 7,90-9,70 €
Hauptspeisen: 9,90-20,90 €
Desserts: 6,60-6,90 €
offener Wein (0,2 l): 3,90-7,20 €