Eine ehemalige Güterhalle ganz in der Nähe des Saulheimer Bahnhofs wurde mit viel Aufwand, Geschmack, Einfühlungsvermögen und edlen Materialien zu einem schlicht-eleganten Restaurant um- und ausgebaut, das »Stellwerk«. Viel helles Holz im hohen, oberen Bereich, daraus eine wunderschöne Galerie zum Verweilen; Bruchsteinmauern und Edelstahl fallen ins Auge. Dunkelbraune Rahmungen der schönen großen Türbögen, Mobiliar und Fußboden in derselben Farbe fügen alles zu einem wirklich betrachtenswerten, geschmackvollen Ensemble. Die große Holzterrasse mit geradlinigen Möbeln und lichten Schirmen wartet auf schönes Wetter, ein netter Biergarten schließt sich seitlich an.

Einen Winzersekt rosé vom Weingut B. Stenner, Hechtsheim (7,10 €), der kräftige Rotwein-Aromen aufweist, bringt mir der dezente, aufmerksame, freundliche Herr im Service, der uns den ganzen Abend geduldig und entspannt mit Erklärungen zur Seite steht. Die Speisekarte klingt vielversprechend und macht Appetit auf so Einiges. Die Weinkarte ist vor allem regional rheinhessisch – von Saulheim bis Bingen, bis Albig, bis Westhofen – hält aber auch Tropfen aus Spanien, Frankreich, Italien in petto. Geordnet finden wir die Weine, jeder mit einer vorbildlichen
ausführlichen Beschreibung, nach Weingütern, da sind namhafte Vertreter der ersten Winzerriege zu finden. Wir kosten den 2018er Weißburgunder trocken vom Weingut J. Neus, Ingelheim, der ist zurückhaltend, hat differenzierte Fruchtaromen und eine stützende Säure.

Mit vielen Scheibchen frischen, knusprigen Graubrots verwöhnt die Küche uns gleich zu Beginn. Dazu werden Tomatenfrischkäsedip, Currydip, geeiste Melone und Ziegenkäsekugeln und eine Antipastiauswahl wunderschön präsentiert. Ein wirklich opulenter und appetitlicher Gruß!
Zur Vorspeise wählen wir das Kalbstatar. Mit kräftigen Knoblaucharomen erscheint es, angemacht mit Panchetta – ungewöhnlich und interessant – mit geröstetem Knoblauchbrot, getrockneten und frischen Tomaten und Basilikumgel auf dem Tisch (15,50 €). Die schmackhafte, geeiste Gurkenkaltschale mit viel Dill wird frisch über eine Scheibe Rauchlachs und Stücke von der Gin tonic – Gurke gegossen (9,50 €). Ein rundes Türmchen aus zwei Schichten gegrillter roter, süßer Wassermelone birgt in seinem Zwischenraum sanft schmelzigen Ziegenkäse. Das Ganze ist umwickelt von einer Scheibe Parmaschinken, angebraten, und bildet mit etlichen Perlen vom roten und weißen Balsamico als Geschmacksspitzen ein köstliches, harmonisches Zwischengericht (15,00 €).

Als nächsten Wein wählen wir den 2018er Riesling trocken VdP Gutswein vom Weingut Wittmann (0,2 l/7,80 €). Dies ist ein schöner, kräftiger Riesling mit exotischer Frucht und mit Anklängen an Aromen des Bodens. Die Empfehlung des Tages ist heute die Lammleber, ein nicht zu häufiges Angebot. Sie erscheint mit Erbsen-Minz-Püree, die Minze ist dabei sehr zurückhaltend, es gibt eingelegte Brombeeren dazu, ein paar Erbsen, einen Dipjoghurt und ganz winzige Blüten vom Knoblauch-Schnittlauch, die ein intensives Knoblaucharoma entfalten. Zwei Scheiben Leber sind zart gebraten und liegen in einer sehr intensiven Reduktion (19,00 €). Ein schönes Stück sehr zart gegarter, ausgezeichneter Scholle mit kleinen Krabben in Speckstippe wird begleitet von kräftig grünem Petersilienpüree und rosa eingelegten, geschmorten Radieschenhälften als Farbtupfer (27,00 €).

Mit guten, frischen Zutaten wurde uns von dem jungen Koch des »Stellwerk« ein köstliches Essen beschert. Die Vielfalt der Zutaten auf manchem Teller war interessant, führte aber gelegentlich auch weg vom zentralen Thema. Gut gesättigt müssen wir uns eines der verlockenden Desserts für den nächsten Besuch vornehmen.

ESSEN8,5
TRINKEN8,5
SERVICE8,5
AMBIENTE9,5
PREIS/LEISTUNG8,5
ERGEBNIS8,7

Restaurant Stellwerk
Bahnhofstr. 37
55291 Saulheim
Tel. 06732 962 8615
www.restaurant-stellwerk.de
geöffnet: Di 18–23 Uhr,
Mi-So 12-14.30 Uhr und 18-23 Uhr
(warme Küche bis 21.30 Uhr) | Ruhetag: Mo

Vorspeisen: 9,50-15,50 €
Hauptspeisen: 10,50-28,00 €
Desserts: 8,50-10,00 €
offener Wein (0,2 l): 4,80-7,80 €