Zwischen viel Grün und roten Sonnenschirmen geht hinter den hohen Pinien die Sonne unter im lauschigen, schicken Garten des Adagio im Atrium Hotel. In dieser gemütlichen Oase inmitten der geschmackvollen, verwirrend großen Gebäude nehmen wir jenseits der kleinen Holzbrücke an edel designten Gartenmöbeln Platz und genießen die farblich passenden kräftigen Apfelaromen des Wildapfelsecco aus dem Hause Raumland. Oliver Habig, der junge Sommelier und Restaurantleiter steht uns heute – auch für Bereiche der Küche – erklärend und hilfreich zur Seite.

Wir studieren also gleich die sensationelle Weinkarte, die nicht nur die repräsentativsten Weingüter Rheinhessens auflistet, sondern auch mit den kompletten Jahrgängen der großen Lagen aufwarten kann. Wittmann, Kühling-Gillot, Gunderloch, Schätzel, Wagner-Stempel, Battenfeld-Spanier, Knewitz – das sind große rheinhessische Namen, die diesen Ausnahme-Weinkeller zieren. Aber auch die anderen deutschen Weinanbaugebiete und das nahe und ferne Ausland kommen nicht zu kurz. Unsere heutige Entscheidung fällt auf das Weingut Bischel. Die kredenzen eine tolle, sehr trockene Scheurebe (2017) mit einem umfangreichen Kräuterbouquet und angenehmer Säure als große Konkurrenz zum Sauvignon Blanc.

Mit einem kleinen, warmen, schlotzigen Kartoffelrisotto mit Bergkäse, darauf Schnittlauch und gepuffter Buchweizen als knusprige Komponente grüßt heute die Küche, bevor wir uns die Ceviche vom Bachsaibling schmecken lassen, ganz mild gegart in Verjus und Zitrone und knackig ergänzt durch feine Gemüsewürfelchen und Brotchips, mit einem schmackhaften Tupfer grüner Dillmayonnaise (14,00 €). Dies offeriert uns heute die kleine Sommerkarte, wie auch eine kleine Portion Spätzle aus Buchweizenmehl, die den wunderbaren Bergkäse und Frühlingszwiebel sowie Schnittlauch beinhaltet und die bereits ordentlich sättigend ist (8,00 €). Die Maultaschen mit Ziegenfrischkäse, bissfester gelber Bete, Kürbiskernen, Schnittlauch und Zitronenthymian-Vélouté müssen zum Zwischengang probiert werden. Die Zusammenstellung klingt interessant und durchdacht. Der säuerliche Frischkäse findet zwar in den leicht süßlichen Rübchen seinen Gegenpol, die Gesamtheit der Geschmäcker geht aber leider in der Säure des Käses verloren (10,00 €).

Brust und Keule von Ochsenschlägers Gockel aus dem Ried bilden zusammen mit dreierlei Variationen vom Blumenkohl den schmackhaften Hauptgang. Da finden wir die Keule – sehr originell – als feines Ragout, das Stück Brust, leider etwas zu trocken geraten, in der pikanten Jus. Dabei schmeckt der Blumenkohl als Mousse, als roher Salat und als gebratene Röschen (27,00 €). Auf der ganzen Linie überzeugen können die knusprig angebratenen Rote Bete – Krapfen. Die liegen mit etwas Kresse auf Karottenscheibchen und auf fermentierten Karotten (ausgezeichnet!) und harmonieren wunderbar mit dem frischen griechischen Joghurt mit Minze. Eine wohlschmeckende Zusammenstellung, die jedes Vegetarierherz erfreuen dürfte (18,00 €)!

Ein kleiner Espresso rundet den Abend ab, der mit Gartenfackeln und kleinen Tischlämpchen die Idylle perfekt macht. Der junge, freundliche Sommelier im Service trug bei zu unserem Wohlgefühl, die Küche ebenso, zwar nicht auf ganzer Linie überzeugend, dennoch innovativ und ambitioniert.

ESSEN8,5
TRINKEN9,5
SERVICE9,0
AMBIENTE9,0
PREIS/LEISTUNG9,0
ERGEBNIS9,0

Adagio im Atrium Hotel
Flugplatzstr. 44
55126 Mainz
Tel. 06131 4910
www.atrium-mainz.de
geöffnet: tgl. 18-22 Uhr


Kleine oder große Gerichte: 6,00-32,00 €
Menüs: 41,00/51,00 / 61,00 €€
Desserts: 7,00-14,00 €
offener Wein (0,1 l): 4,00-6,00 €