Es ist schon ein architektonisches Schmuckstück: Das Kloster Engelthal in Ober-Ingelheim. 1290 erstmals erwähnt, wurde die Zisterzienserinnenabtei in ihrer langen Geschichte immer wieder erweitert und umgebaut, bis jener in Rheinhessen einzigartige Mix aus moderner Architektur und historischer Bausubstanz entstand, der zu Recht eine Fülle von Architekturpreisen gewonnen hat. Besonders der kopfsteingepflasterte, sehr weitläufige Innenhof ist im Sommer ein Gästemagnet – nicht nur in Coronazeiten, wo alle Abstand halten sollen (und hier auch können).

Dort nehmen wir an einem lauen Sommerabend Platz und studieren – bei einem leckeren Körbchen Brot mit köstlicher Walnussbutter – Speise- und Getränkekarte. Die informiert erst mal über die Herkunft der Lieferanten von Obst, Gemüse, Fleisch oder Brot. Sie stammen mit einer Ausnahme allesamt aus Ingelheim. Ein lokales, nachhaltiges Konzept, das ganz im Trend der Zeit liegt.

Neben den rund zwanzig angebotenen Gerichten gibt es auch noch eine Saisonkarte. Aus der wähle ich als Vorspeise den Brotsalat mit gebratenen Pfifferlingen (14,50 €). Eine mehr als ordentliche

Portionen Pilze – nur kurz angebraten – wird begleitet von kross gerösteten Brotscheiben, pflückfrischem grünen Salat, Radicchio, Tomaten und Rucola, die in einem köstlichen Dressing schwimmen, das durch die Kresse ein pikantes Aroma erhält. Es folgt der confierte Bauch vom Bentheimer Landschwein, glaciertes Frühlingsgemüse und Petersilien­püree (22,00 €). Der Teller ist schon optisch ein Genuss: Das saftige Stück Schwein mit knackiger, dicker Schwarte thront auf konisch geschnittenen,
appetitlich glänzenden Karotten- und Kartoffelstiften und wird von sattgrünen Kugeln Püree ergänzt. Die sind wunderbar cremig, erdig und intensiv im Geschmack. Das Gemüse ist knackig, der Bauch mit toller Kruste und dennoch un­geheuer zart. Chapeau!

Dazu empfiehlt uns der Service einen nach Stachelbeere duftenden Sauvignon Blanc (0,2 l/6,50 €), der mit erfrischenden Noten von Heu und Zitrusfrüchten erfreut. Der Wein stammt natürlich von der Winzerfamilie Wasem, die das Anwesen – Restaurant, Weinbar und Hotel – betreibt. Er ist einer von zwanzig Weinen, die die offene Karte listet: vom frischen, feinherben Riesling über gehaltvollen Spätburgunder bis hin zur fruchtig-crèmigen Huxelrebe Beerenauslese ist für jeden Geschmack etwas dabei – und das zu Preisen, die man als äußerst kundenfreundlich bezeichnen darf.

Zum Abschluss muss es die Crème Brûlée mit Aprikosenkompott (7,00 €) sein. Der Klassiker der französischen Küche wird aufgewertet im Wasems Kloster Engelthal mit einer Kugel salzigem Karamell-Eis (7,00 €).
Zum Niederknien.

ESSEN8,0
TRINKEN8,0
SERVICE8,0
AMBIENTE9,0
PREIS/LEISTUNG8,5
ERGEBNIS8,3

Wasems Kloster Engelthal
Edelgasse 15
55218 Ingelheim
Tel. 06132 2304
www.wasem.de
geöffnet: Mo, Di, Do-Sa ab 17 Uhr,
So ab 12 Uhr, Ruhetag: Mi

Vorspeisen: 6,00-16,90 €
Hauptspeisen: 12,50-27,00 €
Menüs: 39,00 €
Desserts: 5,50-8,90 €
offener Wein (0,2 l): 3,70-7,20 €